Die kurze Antwort
Ein Kritikgespräch führst Du, wenn ein Problem schon länger besteht oder sich wiederholt und ein kurzes Feedback nicht gereicht hat. Es gelingt, wenn Du die Fakten vorbereitet hast, gleich zu Beginn sagst, worum es geht, deutlich machst, was sich ändern muss, und trotzdem echten Raum für die Sicht des anderen lässt.
Dein Gewinn daraus:
- Du schiebst unangenehme Gespräche nicht mehr wochenlang vor Dir her.
- Dein Gegenüber weiß danach genau, was sich ändern muss.
- Du bleibst ruhig, auch wenn Tränen fließen oder es laut wird.
- Das Verhältnis bleibt intakt, obwohl Du deutlich warst.
- Dein Team sieht, dass Probleme fair und konsequent angegangen werden.
Wann brauchst Du ein Kritikgespräch und wann reicht ein kurzes Feedback?
Kurz gesagt: Beim ersten Mal reicht meist ein kurzes Feedback. Ein Kritikgespräch brauchst Du, wenn sich etwas wiederholt, wenn andere darunter leiden oder wenn Du merkst, dass Du innerlich schon kochst.
Typische Anlässe sind:
- Fehler, die trotz Hinweis immer wieder auftreten.
- Absprachen, die regelmäßig nicht eingehalten werden.
- Ein Umgangston, unter dem Kollegen oder Kunden leiden.
- Eine Führungskraft, die ihr Team ausbremst oder Entscheidungen nach oben schiebt.
Für die vielen kleinen Rückmeldungen im Alltag gibt es einen eigenen Beitrag: Feedback geben als Chef. Hier geht es um die Gespräche, vor denen Du nachts wachliegst.
Wie bereitest Du ein Kritikgespräch vor?
Kurz gesagt: Schreib auf, was konkret passiert ist, welche Folgen es hatte und was Du künftig erwartest. Und kläre vorher für Dich, was passiert, wenn sich nichts ändert.
Fakten sammeln
Notiere zwei oder drei Situationen mit Datum und dem, was genau passiert ist. Ohne Beispiele wird jedes Kritikgespräch zum Streit über Gefühle, und am Ende steht Aussage gegen Aussage.
Dein Ziel in einem Satz
Formuliere vorher, was nach dem Gespräch anders sein soll. Zum Beispiel: „Ab sofort sind die Lieferscheine bis 14 Uhr im System.“ Wer sein Ziel nicht kennt, redet sich um Kopf und Kragen.
Deine eigene Haltung
Geh nicht direkt nach dem Vorfall ins Gespräch, sondern wenn Du Dich wieder im Griff hast. Und frag Dich ehrlich, ob die Ursache wirklich beim Menschen liegt. Oft steckt ein Organisationsproblem dahinter: eine unklare Zuständigkeit, eine fehlende Einarbeitung oder eine Aufgabe, die niemand richtig erklärt hat. Das ändert nichts daran, dass das Thema auf den Tisch muss. Es ändert aber, wie Du es ansprichst.
Wie läuft ein Kritikgespräch Schritt für Schritt ab?
Kurz gesagt: Ohne langes Vorgeplänkel direkt zur Sache: Anlass, Fakten, Wirkung, seine Sicht, klare Erwartung und Vereinbarung. Das Ganze dauert meist 20 bis 40 Minuten.
- Anlass nennen: „Ich möchte mit Dir über die Liefertermine sprechen, die in den letzten Wochen geplatzt sind.“
- Fakten schildern: Nenn Deine Beispiele, ruhig und ohne Wertung.
- Wirkung zeigen: „Zwei Kunden haben sich beschwert, und das Lager musste zweimal nacharbeiten.“
- Seine Sicht hören: „Wie siehst Du das? Was steckt aus Deiner Sicht dahinter?“
- Erwartung klar sagen: „Ich erwarte, dass zugesagte Termine gehalten werden, oder dass Du mir einen Tag vorher Bescheid gibst.“
- Vereinbaren und nachhalten: Haltet fest, was bis wann passiert, und legt gleich einen kurzen Folgetermin fest.
Warum Du nicht mit Smalltalk einsteigen solltest
Fünf Minuten Plaudern über das Wochenende machen es nicht leichter. Dein Gegenüber spürt, dass etwas kommt, und wartet nur noch auf das Aber. Ein klarer, freundlicher Einstieg ist respektvoller. Weitere Formulierungen findest Du in den Feedback Beispielen.
Was machst Du, wenn Dein Gegenüber weint, laut wird oder abblockt?
Kurz gesagt: Bleib ruhig, nimm das Gefühl ernst und halte trotzdem an der Sache fest. Mitgefühl und Klarheit schließen sich nicht aus.
Bei Tränen
Biete ein Taschentuch und einen Moment Ruhe an. Ein Satz wie „Ich sehe, dass Dich das mitnimmt. Lass Dir Zeit.“ reicht. Das Thema verschwindet dadurch nicht, es wird nur kurz unterbrochen.
Bei Wut
Werde eher leiser als lauter. Benenne, was Du wahrnimmst: „Ich merke, dass Dich das ärgert. Ich möchte trotzdem, dass Du mir zuhörst.“ Wenn es eskaliert, beende das Gespräch und vereinbare einen neuen Termin.
Bei Ausreden und Schuld bei anderen
Hör Dir die Gründe an, denn manchmal stimmen sie. Kehre dann zur Frage zurück, was Dein Gegenüber selbst beitragen kann: „Mag sein, dass das Lager spät dran war. Was kannst Du tun, damit der Termin trotzdem hält?“
Was kostet es, wenn Du das Kritikgespräch aufschiebst?
Kurz gesagt: Dein ganzes Team zahlt mit. Wer sieht, dass ein Problem folgenlos bleibt, fragt sich irgendwann, warum er selbst sich noch anstrengt.
Laut Gallup sind in Deutschland nur 10 Prozent der Beschäftigten eng an ihren Arbeitgeber gebunden, und die Führung gilt als Engpassfaktor (Gallup, 2026). Marco Nink von Gallup bringt es auf den Punkt: Es handle sich nicht um ein Einstellungs-, sondern um ein Führungsproblem (Deutsche Handwerks Zeitung, 2026). Innerlich gekündigte Beschäftigte fehlen im Schnitt 9,7 Tage im Jahr, eng gebundene 5,6 Tage (Deutsche Handwerks Zeitung, 2026).
Dazu kommt ein einfacher Gedanke: Den Anwalt holt man, wenn es zu spät ist. Ein früh geführtes Kritikgespräch ist die günstigste Form, einen Konflikt zu lösen, solange noch beide Seiten miteinander reden wollen.
Wo die Daten aufhören
Die Gallup-Zahlen zeigen Durchschnittswerte für Bindung und Fehltage. Dass ein aufgeschobenes Gespräch in Deinem Betrieb Bindung kostet, ist eine Erfahrung aus der Praxis und keine gemessene Zahl.
Wie wirst Du sicherer in schwierigen Gesprächen?
Kurz gesagt: Indem Du sie nicht allein vorbereitest. Ein Sparringspartner hilft Dir, Deine Worte zu schärfen und Deine eigenen blinden Flecken zu sehen.
Die Psychologin Sonja Lang und ihr Team der ErVer Unternehmensberatung unterstützen Inhaber genau bei solchen Gesprächen. Sonja Lang sagt Dir, was Dir sonst niemand sagt, respektvoll, aber deutlich. Genau diese Haltung brauchst Du auch im Kritikgespräch. Im Geschäftsführer-Coaching bereitest Du schwierige Gespräche vor und wertest sie aus, während eine anonyme Teambefragung zeigt, wo im Betrieb die eigentlichen Ursachen liegen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kritikgespräch und Abmahnung?
Ein Kritikgespräch ist ein Gespräch unter vier Augen ohne arbeitsrechtliche Wirkung. Eine Abmahnung ist ein formaler Schritt. Dafür holst Du Dir am besten rechtlichen Rat.
Soll ich das Kritikgespräch dokumentieren?
Ja. Eine kurze Notiz mit Datum, Thema und Vereinbarung reicht. Sag Deinem Gegenüber offen, dass Du sie anlegst.
Darf eine dritte Person dabei sein?
Das kann sinnvoll sein, etwa eine zweite Führungskraft. Gibt es einen Betriebsrat, kläre vorher, ob Dein Mitarbeiter ein Mitglied hinzuziehen möchte.
Wie lange sollte ein Kritikgespräch dauern?
Meist 20 bis 40 Minuten. Längere Gespräche drehen sich oft im Kreis. Dann ist ein zweiter Termin besser.
Was tun, wenn sich nach dem Gespräch nichts ändert?
Führe ein Folgegespräch, in dem Du klar benennst, welche Konsequenzen drohen. Bei arbeitsrechtlichen Schritten hol Dir fachlichen Rat.
Wie kritisiere ich eine langjährige Mitarbeiterin?
Mit Respekt vor ihrer Erfahrung und trotzdem deutlich. Frag zuerst nach ihrer Sicht. Erfahrene Leute wissen oft selbst, wo es hakt.
Soll ich im Kritikgespräch auch loben?
Nicht als Verpackung. Lob vor der Kritik verwässert die Botschaft. Gib ehrliches Lob lieber zu einem eigenen Zeitpunkt.
Steht bei Dir ein schwieriges Gespräch an?
Im Klartext-Call schaust Du in 30 Minuten mit Sonja Lang auf Deine Lage. Danach weißt Du, ob ein Coaching zu Dir passt.
Quellen
Deutsche Handwerks Zeitung. (2026, 17. Juni). Gallup Engagement Index: Nur 10 Prozent sind eng an ihren Arbeitgeber gebunden. https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/?p=376335
Gallup. (2026). Engagement Index Deutschland 2025. https://www.gallup.com/de/472028/bericht-zum-engagement-index-deutschland.aspx


